Das Terroir des St. Magdalener
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Das Terroir des St. Magdalener

 

Das Terroir, ein häufig verwendeter Begriff in der heutigen Weinwelt, erfasst das Zusammenspiel des Bodens, der Topografie, des Mikroklimas und der Kultivierungsmaßnahmen der Weinbauern, in der ein bestimmter Wein entsteht.

 

Auch im St. Magdalener Gebiet wird immer wieder vom Terroir gesprochen:

Bei den vorherrschenden Böden im St. Magdalener Anbaugebiet handelt es sich um lockere, durchlässige Sedimente aus der Eiszeit oder von rezenteren Flussablagerungen. Als bodenbildende Gesteine kommen darin Quarzporphyr, Sandstein, Dolomit, Quarzphyllit, Gneis und Granit vor.

Wenn man tiefer ins Detail geht unterscheidet man 2 Bodenarten:

Die Hügel von St. Magdalena und St. Justina, der Hangfuß oberhalb von Rentsch und auch die Leiten von St. Peter bestehen aus sandigen, schluffigen Flussschottern aus der letzten Zwischeneiszeit mit deutlicher Schichtung. Sie weisen einen hohen Steingehalt auf, sind tiefgründig, leicht erwärmbar, jedoch von bescheidenen Nährstoff- und Wasserhaltevermögen. Die Errichtung einer Beregnungsanlage ermöglichte ab 1931 eine Dauerbegrünung und dadurch eine Anreicherung der Oberböden mit Humus, daraus ergab sich eine bessere Nährstoff- und Wasserversorgung der Reben.

In den höheren Lagen, etwa ab 400 Meter, treten Moränenablagerungen aus der Eiszeit als Bodenbildner auf. Diese sind lehmiger und haben somit bessere Wasserspeicherung und sind vorherrschend rötlich bis grau gefärbt durch die Verwitterung des Bozner Quarzprophyrs. Die tieferen Lagen, im Schuttkegel des Rivelaunbaches, sind gebildet aus rötlichem Anschwemmungsmaterial aus Verwitterung des Quarzporphyrs und des Sandsteines von der Hochfläche und sind somit auch lehmhaltiger.

Alle Böden sind leicht sauer mit pH-Werten von 5,5 bis 7.

 

Topografie und Mikroklima: Nicht unwesentlich ist die vorherrschende Steilheit von 40-80% des Geländes, das wiederum infolge eines steileren Einfallswinkels der Sonnenstrahlen eine vorteilhafte Bodenerwärmung bringt. Es handelt sich nämlich um das wärmste und sonnenreichste Weinbaugebiet des Landes. Jährlich werden hier um die 2.200 Sonnenstunden gezählt. Eine eventuelle Wolkendecke reißt im Bozner Becken vergleichsweise mit der Umgebung am schnellsten auf. Auch der Austrieb der Reben im Frühjahr beginnt im Vergleich zu den anderen Südtiroler Anbaugebieten etwas früher.

Die auffrischenden Windverhältnisse am Hang zwischen Etsch und Eisack, vormittags von Osten und nachmittags von Süden, bewirken ein rasches Abtrocknen von Tau und begünstigen im Sommer und Herbst die Gesundheit der Trauben und Blätter.

 

Kultivierungsmaßnahmen der Weinbauern: Die vorherrschende Erziehungsart im St. Magdalener Gebiet ist die traditionelle Pergolaerziehung. Die Triebe der Vernatschreben tendieren dazu sich hinzulegen, bilden weniger Ranken um sich am Draht festzuhalten und wachsen nicht so aufrecht, deshalb ist für diese Sorte die Pergolaerziehung geeigneter als die Guyott-Erziehung. Außerdem bringt die Pergel Vorteile durch ihre Beschattung der Trauben an heißen Sonnentagen.

 

Die vorwiegende Sorte ist Großvernatsch, wobei einige Weinbauern auch noch die traditionellen Sorten Grauvernatsch, Tschaggelevernatsch, Mittervernatsch und Kleinvernatsch anbauen. Der St. Magdalener wird im gemischten Satz angebaut: bis zu 15% Lagrein und andere Sorten sind laut den DOC-Regelungen erlaubt, wobei die meisten Winzer weniger als 10% der Sorte Lagrein ergänzen.

Die DOC-Bestimmungen für den St. Magdalener wurden im Jahr 1971 eingeführt. Mit den DOC-Neuerungen der letzten Jahre können seit der Lese 2024 die Winzer auch einen St. Magdalener Riserva produzieren.

 

1901 wurde auch in St. Magdalena der Reblausbefall festgestellt, die Gemeinde Zwölfmalgreien stellte eine Rebveredelungsstation mit angeschlossener Rebschule in Rentsch zur Verfügung. Um 1920 war das Weinbaugebiet zum größten Teil mit der amerikanischen Unterlage ausgestattet.

 

Der St. Magdalener stellt eine geschichtliche Besonderheit für die heimische Weinszene dar, da er die beiden autochthonen roten Rebsorten Südtirols – Vernatsch und Lagrein, beinhaltet.

 

 

 

Auszug aus den geschichtlichen Notizen des Autors Helmuth Scartezzini aus dem Buch “ST. MAGDALENER – der Wein aus Bozen”, erhältlich bei Athesia.