Der St. Magdalener Jahrgang 2024
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Um einen Blick zurück auf das Weinbaujahr 2024 und den dazugehörigen St. Magdalener Jahrgang zu werfen haben wir mit drei Kellermeistern, nämlich Stephan Filippi von der Kellerei Bozen, Hannes Rottensteiner vom Weingut Hans Rottensteiner und Hans Jochen Spögler vom Larcherhof gesprochen.

Wie war das Weinbaujahr 2024?

Stephan Filippi: Das Weinbaujahr 2024 ist mit einem normalen Austrieb im Frühjahr gestartet, gefolgt von einer Frostnacht im April, die in bestimmten Gebieten einige Schäden hinterließ. Diese haben sich auf den Mengenertrag ausgewirkt, der im Vergleich zu anderen Jahren geringer ausgefallen ist. Auch der regenreiche Mai hat dazu beigetragen, da die anhaltenden Niederschläge die Blütezeit verlängert haben und sich dadurch der Traubenansatz reduziert hat.

Anschließend folgte ein Sommer mit einem weitgehend normalen Witterungsverlauf. Im August gab es eine Trockenphase in der wir das Gebiet St. Magdalena bewässern mussten, um die Qualität zu sichern.

Hans Jochen Spögler: Das vergangene Weinbaujahr war sehr facettenreich. Durch den anhaltenden Mix aus Regen und warmen Abschnitten, mussten wir die Intervalle der Behandlungen gegen Oidium und vor allem gegen Peronospora kürzer halten als sonst. Durch das kühle, nasse Wetter während der Traubenblüte war der Ertrag geringer als in den Vorjahren.

Die anhaltende Feuchtigkeit hat ein kontinuierliches Wachstum der Reben gefördert, weshalb die Laubarbeit im Weinberg sehr intensiv war.  Ab Mitte Juli stellte sich dann eine Hitzewelle ein und trotz des vielen Regens im Vorfeld, litten die Reben dann bei uns sogar an Trockenheit.

Hannes Rottensteiner: Nach dem sehr schwierigen Jahr 2023 hatten wir ein kaum weniger herausforderndes Weinjahr 2024. Im Vergleich zum Vorjahr hatten wir jedoch immer wieder kleine sonnige Fenster, die einen ordentlichen Pflanzenschutz zuließen. Im Sommer kam dann ein großer Wetterumschwung, es wurde trocken und heiß. Somit war witterungstechnisch alles dabei.

 

Die Ernte ist ein wichtiger Zeitpunkt für Weinproduzenten: wie verlief sie 2024?

Hans Jochen Spögler: Vor allem unsere Vernatsch-Trauben sind im vergangenen Herbst trotz Ertragsreduzierung hell geblieben und die Färbung ging nur sehr langsam voran. Kurz vor Erntebeginn hat sich dann auch noch schlechtes Wetter eingestellt und die Reifung der Trauben wurde aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung noch zusätzlich eingebremst.

Da sich der Larcherhof aber in einer sehr frühen Lage befindet, konnten wir im Vergleich zu anderen Betrieben dennoch verhältnismäßig früh ernten, sodass unsere Trauben den ganz großen Regen Ende September und Anfang Oktober nicht mehr abbekommen haben. Aufgrund des niedrigen Ertrags war die Zuckergradition der Trauben sehr gut.

Hannes Rottensteiner:Während wir uns in den letzten Jahren an einen schönen Herbst gewöhnt hatten, war der Herbst 2024 durchwachsen. Es verging keine Woche ohne Regen, meist blieben nur zwei oder drei Tage für die Ernte über – zumeist an den Wochenenden. Dieser Regen verzögerte auch die Reife, wodurch starke Nerven nötig waren. Der Zeitpunkt der Ernte musste gut gewählt sein, da die Trauben bei erreichter Vollreife sehr schnell in Fäulnis übergingen. Insgesamt ist 2024 wohl eher ein Weißwein-Jahr, wenn wir schlußendlich besonders bei Vernatsch und somit auch beim St. Magdalener ordentliche Qualitäten einfahren konnten.

Stephan Filippi: In der Erntephase wurden wir dieses Jahr nicht wie gewöhnlich mit dem „goldenen Herbst“ verwöhnt, sondern mussten uns aufgrund unregelmäßiger Regentage flexibel und anpassungsfähig zeigen. Dank der großartigen Zusammenarbeit zwischen unseren Mitgliedern und unserem Team ist uns dies jedoch sehr gut gelungen. Mit Geduld und Zuversicht haben wir auf tiefblaue, vollreife Beeren gewartet. Die Ernte des St. Magdaleners erfolgte schließlich Anfang bis Mitte Oktober.

Welche St. Magdalener Weine hat das komplizierte Weinbaujahr 2024 hervorgebracht?

Hannes Rottensteiner: Der St. Magdalener des Jahres 2024 kommt etwas schlanker daher als in den Jahren zuvor. Die Frucht und die Tanninstruktur zeugt jedoch davon, dass die physiologische Reife sehr wohl erreicht wurde, womit wir es durchgehend mit sehr eleganten, weichen Weinen zu tun haben.

Unsere wichtigste Lage, der Premstallerhof, wird inzwischen seit Jahren biodynamisch bewirtschaftet. Natürlich sind kapriziöse Jahre wie 2024 nie einfach in der biodynamischen Bewirtschaftung. Doch vielleicht gerade wegen der kurzen sonnigen Phasen im Frühling und Frühsommer war es am Ende einfacher, die Reben gesund zu halten als 2023. Erntezeitpunkt und -menge entsprachen dem Durchschnitt der letzten Jahre. Die Qualität der Trauben war – wenn auch etwas niedriger in den Zuckergraden – durchwegs gut. Wir erwarten uns also einen fruchtigen, salzigen Vigna Premstallerhof.

Stephan Filippi: Der neue Jahrgang präsentiert sich im Vergleich zu den Jahrgängen 2023 und 2022 leichter, mit weniger Alkoholgehalt. Dadurch sehen wir großes Potenzial in diesem Jahrgang, der dem Trend zu leichteren, alkoholärmeren Weinen entspricht.

Unser St. Magdalener leuchtet in einem strahlenden Rubinrot. Die Fruchtaromen des neuen Jahrgangs zeigen die vertrauten Noten von Veilchen und Marzipan, überraschen jedoch mit einem Schwerpunkt auf hellroter Kirsche. Erdbeernoten sind etwas dezenter, aber dennoch wahrnehmbar. Am Gaumen besticht der Wein mit einer angenehm eleganten Struktur und überzeugt mit seiner Zugänglichkeit. Insgesamt handelt es sich um einen spannenden Jahrgang, der allerdings etwas kleiner ausfällt als der Jahrgang 2023.

Hans Jochen Spögler: Trotz anfänglicher Bedenken, präsentiert sich der St. Magdalener im Glas fruchtig und mit angenehmer Säure, wenn auch ein wenig schlanker als in den sonnenverwöhnten Jahrgängen zuvor. Dafür besticht er aber durch gute Trinkigkeit und durch weniger Alkohol, was genau dem aktuellen Trend beim Rotwein entspricht.

Abschließend kann man festhalten, dass einem die Natur jedes Jahr vor neue Herausforderungen stellt und es gilt sich schnell den wettertechnischen Gegebenheiten anzupassen. Das spannende an unserer Arbeit ist, dass jedes Jahr anders ist und man das auch im Wein schmeckt.